Titandioxid in Straßenmarkierungsstoffen

November 2021

Hiermit möchten wir Sie als DSGS über den Einsatz von Titandioxid (TiO2) in Straßenmarkierungsstoffen informieren.

Titandioxid ist in Markierungsstoffen neben den Reflexperlen unverzichtbar für die Nachtsichtbarkeit der Straßenmarkierung und damit für eine der wichtigsten Eigenschaften der Straßenverkehrssicherheit auf unseren Straßen verantwortlich. Eine gleichwertige, technische Alternative ist nicht verfügbar.

Am 18. Februar 2020 wurde die Einstufung von Titandioxid in bestimmten Formen als krebserzeugend der Kategorie 2 „Kann vermutlich Krebs erzeugen“; Gefahrenhinweis H351 (Einatmen) eingestuft und als EU weit geltende Regelung in die CLP-Verordnung Anhang VI aufgenommen.

Diese Einstufung bezieht sich auf pulverförmiges TiO2, sofern dieses mindestens 1% Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser  10 µm enthält.  Das gefahrenauslösende Moment ist das Vorhandensein einer lungengängigen Staubkomponente in kritischer Konzentration, die beim Einatmen eine karzinogene Wirkung entfalten kann.

Zusätzlich wurde folgende Festlegung für titandioxidhaltige Gemische getroffen:

Das Kennzeichnungsetikett auf der Verpackung von flüssigen Gemischen, die mindestens 1 % Titandioxidpartikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von höchstens 10 μm enthalten, muss folgenden Hinweis tragen:

EUH211: „Achtung! Beim Sprühen können gefährliche lungengängige Tröpfchen entstehen. Aerosol oder Nebel nicht einatmen.“

Das Kennzeichnungsetikett auf der Verpackung von festen Gemischen, die mindestens 1 % Titandioxid enthalten, muss folgenden Hinweis tragen:

EUH212: „Achtung! Bei der Verwendung kann gefährlicher lungengängiger Staub entstehen. Staub nicht einatmen.“

Ungeachtet dieser neuen Klassifizierung sehen wir die Anwendung von handelsüblichem Titandioxid in Straßenmarkierungsstoffen weiterhin als sicher an:

  • Nach Informationen der Titandioxidhersteller erfüllen die üblicherweise für Markierungsstoffe eingesetzten Titandioxidqualitäten nicht die Kriterien, die zu einer Einstufung führen. Dies verfolgen die Hersteller von Markierungsstoffen sehr genau und stehen dazu ggf. mit den TiO2 Herstellern im Austausch.
  • Straßenmarkierungsstoffe werden daher in Zukunft nicht als krebserzeugend der Kategorie 2; H351 eingestuft.
  • Das Titandioxid wird in den Bindemitteln der Markierungswerkstoffe dispergiert und liegt nicht als staubende Fraktion bei der Verarbeitung vor. Damit ist Haupteigenschaft, die zu der gefährlichen Einstufung geführt hat, nicht gegeben.
  • Bei der zwecktypischen Anwendung von Straßenmarkierungen wird die Teilchengröße, die als weiteres Kriterium für die Einstufung genannt wird, nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht erreicht. Dennoch sollten vorsorglich im Rahmen der Produktverantwortung folgende generelle Hinweise für die Verwender titandioxidhaltiger Gemische angebracht werden:
    • flüssige, bzw. spritzbare Markierungsstoffe den Hinweis EUH 211 „Achtung! Beim Sprühen können gefährliche lungengängige Tröpfchen entstehen. Aerosol oder Nebel nicht einatmen.“
    • feste Markierungsstoffe EUH212: „Achtung! Bei der Verwendung kann gefährlicher lungengängiger Staub entstehen. Staub nicht einatmen.“

 

Was Sie in Zukunft beachten sollten

Wie schon beschrieben ist die Anwendung von titandioxidhaltigen Straßenmarkierungsstoffen unter Berücksichtigung der etablierten Arbeitsschutzbedingungen weiterhin möglich.

Wir empfehlen Ihnen aber zusätzlich bei Arbeiten, bei denen Markierungswerkstoffe in staubiger, Aerosol-/ oder Nebelform entstehen können (mechanische Reinigungsarbeiten, Fräß- und Schleifarbeiten, etc.), einen entsprechend Staubschutz P2 zu tragen. Dies ist in der Regel eine grundsätzliche Anforderung des Arbeitsschutzes bei staubenden Tätigkeiten, soll hier aber im speziellen Kontext nochmal genannt werden.

Alternativen zu Titandioxid?

Derzeit ist der Einsatz von TiO2 alternativlos, wie die nachfolgenden Zitate belegen sollen:

„Als mögliche Alternativen für Titandioxid liest man oft von Calciumcarbonat, Bariumsulfat, Zirkoniumdioxid, Zinkoxid und Zinksulfid.

Diese sind in Bezug auf Deckvermögen (Opazität), Helligkeit (Glanz) und Scheuerbeständigkeit (Abriebfestigkeit) qualitativ schlechter einzustufen. Um gleichwertige Ergebnisse wie mit Titandioxid zu erzielen, werden deutlich höhere Schichtdicken oder mehrere Anstriche benötigt. Ein höherer Materialverbrauch und Zeitaufwand, sowie erhöhte VOC Emissionen und Kosten wären das Resultat

[VdL-Positionspapier-Titandioxid-Jan-2018] Titandioxid: Wird gute Deckkraft per Gesetz abgeschafft? // FARBE UND LACK].“

„Neben den wirtschaftlichen Faktoren sind die ökologischen und toxikologischen Eigenschaften dieser Stoffe ähnlich bedenklich, da die der Einstufung zugrunde liegenden allgemeinen Partikeleffekte nicht stoffspezifisch, sondern charakteristisch für Stäube sind und bei der Verarbeitung möglicher Ersatzstoffe ebenfalls mit der Freisetzung von Staub zu rechnen ist, würde ein Ersatz des Stoffes die Situation nicht verändern“ (Forum Titandioxid (forum-titandioxid.de)).“

Ergänzend möchten wir Sie noch auf das beigefügte Schreiben der Deutschen Bauchemie zum Thema der Neueinstufung von TiO2 hinweisen.

Als Verband sehen wir uns in der Verantwortung Sie über komplexe rechtlichen Regelungen zu informieren und zu unterstützen. Sollten sich bei Ihnen Fragen ergeben, scheuen Sie nicht den Kontakt zu uns oder zu Ihren Lieferanten.

Deutsche Bauchemie - Aktueller Sachstand und Hinweise Stand 01.07.2021

TiO2_DBC-Info_zur_Anwendung_final_2021-07_inkl_Anhang.pdf

Beschichtungsarbeiten im Außenbereich mit Methlmethacrylat-Harzen, Exposition in Modell und Messung

Beschichtungsarbeiten im Außenbereich mit Methylmethacrylat-Harzen, Exposition in Modell und Messungen


Juli 2021


Dr. Bardo Schmitt (Röhm GmbH), Dr. Alexander Klein (Röhm GmbH), Marco Borgmann (Follmann Chemie GmbH)


Methylmethacrylat ist wesentlicher Bestandteil von Reaktionsharzbindemitteln für sogenannte 2-komponenten Beschichtungsmaterialen, die besonders dauerhafte Beschichtungslösungen wie dauerhafte Markierungen für stark befahrene Straßen oder langlebige Dach- bzw. Balkonbeschichtungen ermöglichen. Die schnelle Aushärtung selbst bei kühler Witterung und die damit direkt verfügbaren Eigenschaften wie Regenfestigkeit, Überrollbarkeit und Begehbarkeit dieser 2-komponenten Beschichtungsmaterialien bieten offensichtliche Vorteile, gerade für Anwendungen im Außenbereich.


Aufgrund der hohen Reaktivität des Methylmethacrylat können solche 2-komponenten Beschichtungsmaterialen durch Zugabe einer zweiten Härter-Komponente vor der Aufbringung, z. B. auf die Straße, binnen weniger Minuten chemisch ausgehärtet werden. Die ursprünglich flüchtige Methylmethacrylat-Komponente wird dabei chemisch in die feste, polymere Beschichtung eingebaut. Eine Exposition der Verarbeiter mit Methylmethacrylat ist daher nur anfänglich während der Ausbringung der Materialien gegeben. Allein in Deutschland beträgt die Anzahl der so exponierten Verarbeiter ca. 30000 im Bereich der Dachdecker (Anmerkung: geschätzt ungefähr die Hälfte der im Dachdeckerhandwerk Beschäftigten kommen mit methylmethacrylathaltigen Formulierungen in Kontakt bzw. verarbeiten sie regelmäßig [1]) bzw. ca. 2000 im Markierungssektor [2].


Die Gefahrstoffverordnung [3] verlangt vom Arbeitgeber in §§ 7 und 9 einen Nachweis, ob die Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) eingehalten sind. Dies kann mit Hilfe von Arbeitsplatzmessungen oder durch gleichwertige Beurteilungsverfahren erfolgen. Zudem ist die Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz [4], § 6 Gefahrstoffverordnung bzw. § 3 Betriebssicherheitsverordnung [5] für die entsprechenden Tätigkeiten verpflichtend. Das Gebot zum Einsatz von Stoffen und/oder Verfahren mit geringerem Risiko, zur Beachtung der Rangfolge der Schutzmaßnahmen und zur Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten usw. bleiben weiterhin bestehen.


Unabhängig fordert die REACh Richtlinie über den Stoffsicherheitsbericht [6] sichere Verwendungsbedingungen beim Umgang mit Stoffen. Hierzu werden vom Hersteller identifizierte Verwendungen in Expositionsszenarien beschrieben, die Handhabungsbedingungen und Schutzmaßnahmen beinhalten. In dessen Stoffsicherheitsbewertung werden Modellrechnungen hinzugezogen, um in einem gestuften Verfahren die sichere Verwendung nachzuweisen. Diese Information fließt in den Stoffsicherheitsbericht für die Stoffregistrierung ein und wird dem nachgeschalteten Anwender im erweiterten SDB zur Verfügung gestellt.


Dieser Bericht möchte den Bezug von Modellrechnung und Arbeitsplatzmessungen ganz speziell für die Anwendung von Methylmethacrylat (MMA) in der Außenanwendung von Fahrbahnmarkierungen und Flächenbeschichtungen (Boden, Dach) herstellen. Verfügbare Daten von unterschiedlichen Firmen wurden hierbei für diese Anwendungen im Außenbereich zusammengetragen.

Den vollständigen Bericht können Sie im Folgenden kostenlos herunterladen.

Beschichtungsarbeiten im Außenbereich mit Methylmethacrylat-Harzen 07-2021

Publikation-MMA-Aussenverwendung_Exposition-in-Modell-und-Messungen_2021-07-24.pdf

Information zur Verknappung von Rohstoffen und Lieferengpässen in der Fahrbahnmarkierungsindustrie

26.03.2021

Informationsschreiben der Deutschen Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen e.V.

 

Lieferausfälle und Preissteigerungen wegen schwieriger Weltmarktlage erwartet

Verknappung von Rohstoffen setzt die Fahrbahnmarkierungsindustrie unter Druck

Die Marktsituation für Rohstoffe zur Herstellung von Fahrbahnmarkierungsmaterialien ist weltweit beeinträchtigt. Große Chemieunternehmen haben Force Majeure erklärt, was Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Grundstoffen zur Herstellung von Fahrbahnmarkierungsmaterialien nach sich zieht. Die betroffenen Stoffe sind zahlreich und breit gefächert. Schwierigkeiten auf dem Transportsektor verschärfen die angespannte Lage zusätzlich. Viele Störfaktoren in der Lieferkette haben so zuletzt die Kosten für Rohstoffe und Dienstleistungen zur Herstellung von Markierungsstoffen in die Höhe getrieben und die aktuelle Versorgungslage ist unverändert angespannt. Sollte sich die Lage am Weltmarkt nicht entspannen, könnten letztendlich Lücken in der Verfügbarkeit von Markierungsstoffen entstehen.

Nach Mitteilung der Skandinavischen Straßenmarkierungsvereinigung (Skandinaviska Vägmarkeringsföreningen [SVMF]) vom 22. März 2021 führe ein verändertes Konsumverhalten im Zuge der COVID-19-Pandemie zu einem Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage nach petrochemischen Produkten. Der Rückgang im Reiseverkehr habe sich dabei auf die Rohölproduktion und in der Folge auf raffinierte Produkte ausgewirkt. Der unerwartete Kälteeinbruch in Texas habe die dort ansässige petrochemische Industrie zum Erliegen gebracht. Darüber hinaus wird berichtet, dass der unerwartete Boom des Welthandels die Preise für Containerfracht aus Asien um ca. 500 % habe ansteigen lassen. Dies führe zu überfüllten Häfen, Bindung von Seecontainern und einer Unterbrechung der Lieferketten, da der Frachtschiffverkehr derzeit stark verlangsamt sei.

Quelle: [1]

Der französische Verband der Straßenausstattung (Le Syndicat des Équipements de la Route [SER]) berichtete am 19. März 2021 ebenfalls über extreme Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von wesentlichen Materialien für die Herstellung von Fahrbahnmarkierungsmaterialien (Lösungsmittel, Harze, Titandioxid, usw.) sowie verknappungsbedingte Preisanstiege. Eine Rückkehr zur Normalität sei nach Auffassung des französischen Verbandes kurzfristig nicht zu erwarten. Trotz hohen Engagements der Mitglieder des SER zur Abmilderung der Auswirkungen sei derzeit eine Verschlechterung der Lage zu beobachten. Gefordert wurde Verständnis für die Auftragnehmer und die Anpassung der Verträge nach dem in Frankreich geltenden Gesetz über das Beschaffungswesen.

Quelle: [2]

Nach einer Mitteilung des Verbandes der schweizerischen Lack- und Farbenindustrie (VSLF) vom 15. März 2021 ist zudem eine Erhöhung der Preise beim Weißpigment Titandioxid zu beobachten. Der konjunkturelle Aufschwung, insbesondere in China, führe dazu, dass die Rohstoffe dort zu höheren Preisen verkauft würden, was die Verknappung von Ressourcen auf dem europäischen Markt vorantreibe. Der Preisanstieg bei Stahl und Kunststoffen lasse auch die Verpackungspreise steigen. Der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. hätte in den letzten beiden Monaten des Jahres 2020 bei den Epoxidharzen eine Kostensteigerung von bis zu 60% beobachtet und führe dies ebenfalls auf die erhöhte Nachfrage in Asien und Europa zurück. Im Bereich der Polyesterrohstoffe sei durch die Verknappung auf dem europäischen Markt eine Erhöhung von bis zu 45 % zu beobachten gewesen.

Quelle: [3]

Die Mitteilung der Deutschen Bauchemie vom 10. März 2021 weist ebenfalls auf steigende Preise bei Verpackungen und das Fehlen von Paletten innerhalb der Logistikkette hin.

Quelle: [4]

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hatte in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin vom 18.02.2021 auf die prekäre Situation beim grenzüberschreitenden Güterverkehr und die damit verbundene Unterbrechung der Lieferketten hingewiesen. Die Ausfälle und Verzögerungen im Warenverkehr verstärkten die Verknappung und erhöhten die Vorlaufzeiten in der Rohstoffversorgung.

Quelle [5]

Als Fachverband blicken wir mit Sorge auf den Start einer bewegten und schwer einzuschätzenden Markierungssaison. Wir empfehlen Auftraggebern und Auftragnehmern individualvertragliche Preisgleitklauseln zu vereinbaren, um die Anpassung der Verträge bei drastischen Preissteigerungen zu ermöglichen, und bitten um Verständnis, dass es in Anbetracht der derzeitigen Lage zu verzögerten Ausführungen der Leistungen kommen kann.

Quellenangaben:

[1] https://news.cision.com/se/skandinaviska-vagmarkeringsforeningen/r/globala-storningar-pa-ravarumarknaden-for-vagmarkeringsprodukter,c3311650)

[2] https://www.equipements-routiers-et-urbains.com/content/situation-tendue-sur-le-marche-des-matieres-premieres-relatives-la-fabrication-des-produits

[3] https://www.wirsindfarbe.de/presse/lacke-farben-aktuell/farbenindustrie-unter-druck-rohstoff-preisexplosion-bei-epoxidharzen

[4] https://deutsche-bauchemie.de/pm-aktuell/details/unterbrochene-lieferketten-verursachen-produktionsengpaesse

[5] https://www.bgl-ev.de/web/medien/presse/article_archiv.htm&news=3469&year=2021

 

                                                                                                                                 

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